Angesichts der rasanten Entwicklung der Medienlandschaft reicht der klassische Jugendmedienschutz längst nicht mehr aus. Medienkompetenz und Medienbildung sind deshalb das Gebot der Stunde. Gemeinsam verantwortet von der Medienarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Medienarbeit der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sowie den Jugendschutzbeauftragten von ARD und ZDF fand am 26. und 27. April 2010 die Tagung im NDR, Hamburg, Lokstedt, statt.
Eine Frage der Einstellung - Eindrücke von Henrik Schmitz, epd
Irgendwann war es dem Mann mit dem weißen Hemd und dem grauen Pullover zu viel. Er hatte sich anhören müssen, dass Jugendliche mit Pornos im Internet und auf dem Handy eigentlich ganz gut umgehen können, junge Menschen einfach andere Einstellungen haben als Erwachsene und Tabubrüche für
eine Gesellschaft heilsam seien, weil sie Grenzen versetzten und damit für Dynamik, ja vielleicht sogar für eine Befreiung von überkommenen Moralvorstellungen sorgten.
Unruhig war der Mann währenddessen auf seinem Stuhl hin und her gerutscht und hatte die Stirn gerunzelt. Er hatte Jugendliche im Kopf, die Gruppensexvideos auf dem Schulhof tauschen, Kinder, die im Internet Vergewaltigungsvideos sehen. Und er hatte Songs im Ohr, in denen Rapper Frauen? bestenfalls - als "Hure" bezeichnen. Jetzt nutzte er die Chance, griff zum Mikrofon, stellte sich als Sozialpädagoge vor und brach eine Lanze für den Jugendmedienschutz: "Es geht darum, die Gefährdeten zu schützen. Wir müssen Jugendliche vor Inhalten bewahren, mit denen sie nicht fertig werden. Auch, wenn die Mehrheit der Jugendlichen von diesen Inhalten nicht betroffen sein sollte."
Bildungsferne Schichten
Das Statement hätte auch am Ende der Tagung "Tabubruch, Medienexhibitionismus und Jugendkultur ? Herausforderungen für den Jugendmedienschutz" stehen können.
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Tabubrüche
Der Medienwissenschaftler Joachim von Gottberg von der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen dokumentierte diesen Wandel in einem Vortrag, in dem
er verschiedene mediale Tabubrüche - man kann auch von Medienskandalen reden - aufzählte. Sorgte in der 50er Jahren der Film "Die Sünderin" noch für
Aufsehen, weil hier sowohl Prostitution als auch Sterbehilfe moralisch legitimiert wurden,
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Stupidität gegen Publizität
Wie erfolgreich man damit sein kann, zeigte er am Beispiel Manuel Dörsam alias Dirk Mirow. In verschiedenen Kostümierungen hatte der Mann es mehrmals in die "Tagesthemen" der ARD geschafft.
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Normale sexuelle Entwicklung
"Es gibt keine Belege für eine massenhafte Abstumpfung oder Gewalt im sexuellen Bereich, die bei Jugendlichen durch Pornos hervorgerufen wird", sagte
auch Konrad Weller, Psychologe von der Universität Merseburg. Pornos seien Teil einer normalen sexuellen Entwicklung von Jugendlichen und gehörten quasi zum Erwachsenwerden dazu.
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Wirtschaftliche Veranstaltungen
Verena Weigand von der Kommission für Jugendmedienschutz hielt dem entgegen, Medienpädagogik sei sinnvoll, Jugendmedienschutz sei dies aber nicht. Mit kritischen Inhalten würden Erwachsene Geld machen, sagte Weigand.
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Jugendmedienschutztagung 2009
(epd). 2009 appellierte Bischöfin Margot Käßmann bereits an die Verantwortung der Medienmanager Programme und Internetangebote zu machen. die Kindern ein positives Menschenbild vermitteln. Ökonomie dürfe nicht über allem anderen stehen, sagte Käßmann am 11. April bei einer Tagung zum Jugendmedienschutz in Erfurt.
Käßmann forderte aber auch die Nutzer des Internets auf, etwa bei der E-Mail-Kommunikation die gängigen Benimmregeln nicht zu vergessen. Auch im Internet sei es wichtig, einander mit Respekt und Höflichkeit zu begegnen. Es wäre gut, so Käßmann, wenn manche sich häufiger an das achte Gebot erinnern würden, das lautet: "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten." Vor allem aber sollte die elektronische Kommunikation die persönliche nicht ersetzen. Je mehr die Menschen mit Medien kommunizierten, umso weniger kommunizierten sie miteinander.
Die evangelische Bischöfin beklagte, manche Menschen setzten heutzutage alles daran, ins Fernsehen zu kommen. Es gelte der Grundsatz: "Ich war im Fernsehen, also bin ich." Sie betonte, es sei wichtig, Jugendliche und Eltern im Umgang mit Medien zu schulen. Manche Eltern bräuchten mehr Aufklärung als ihre Kinder. Jugendliche müssten ein eigenes Urteilsvermögen ausbilden. Das könnten ihnen aber nur Eltern vermitteln, die selbst eine eigene ethische Grundhaltung entwickelt hätten. Zur Medienerziehung gehöre auch "offene Gesprächsbereitschaft, nicht nur virtuell". Wichtig sei, Kinder und Jugendliche "so stark zu machen, dass sie gemeinschaftsfähige Individuen werden".
Rede von Bischöfin Dr. Margot Käßmann
In einer Diskussion zum Jugendmedienschutz sagte Hans Ernst Hanten, Ministerialdirigent beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, mit Gesetzen alleine komme man nicht weit. Die Selbstbeschränkung der Anbieter sei wichtig. In Deutschland sei man mit der Selbstkontrolle sehr weit gekommen.
Aktiv Werte vermitteln

HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp sagte, der restriktive Jugendmedienschutz müsse beibehalten werden. Hürden seien notwendig. Allerdings projizierten viele Erwachsene ihre Ängste vor neuen Medien auf Kinder und Jugendliche. Bischof Gebhard Fürst, Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Katholischen Bischofskonferenz, sagte, es sei wichtig, Kinder und Jugendliche in der Fähigkeit zu stärken, ihr Leben aktiv zu gestalten. Medienerziehung müsse aktiv Werte vermitteln.
Der Medienpädagoge Bernd Schorb von der Universität Leipzig kritisierte, die Selbstregulierung der Privatsender und Internetanbieter funktioniere mal besser mal weniger gut. Darüber müsse man "nochmal reden". Es gebe zu wenig rechtliche Handhabe gegen Verletzungen der Menschenwürde in den Medien. Viele Verfahren, die wegen solcher Vorwürfe geführt würden', versandeten, weil die Rechtsicherheit fehle.
Mit der Diskussion endete die Tagung Jugendmedienschutz 2.0, die von ARD, ZDF, der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz und dem Medienbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland organisiert wurde. Knapp 200 Teilnehmer diskutierten am 10. und 11. April in Erfurt über Jugendmedienschutz im Internet und im Fernsehen